Hochsensitiv zu sein bedeutet, einen intensiven Zugang zur Welt zu haben. Reize werden oftmals stärker wahrgenommen und brauchen länger, um verarbeitet zu werden. Die feinfühlige Sinneswahrnehmung für die Umgebung geht einher mit einer reichen Innenwelt, einer blühenden Gefühls- und Gedankenwelt. Dies kann ein hohes Potential bergen, sich positiv weiter zu entwickeln, empathisch für die Bedürfnisse anderer zu sein und sich selbst sehr gut zu kennen - ein Thema, dem ich mich hier widme.

Oft ist jedoch das genaue Gegenteil der Fall. Eine Reizüberflutung führt zu einem Rückzug. Und anstatt dass man dann etwas Gutes für sich tut und seine Reserven wieder auftankt, geht es los mit den Selbstvorwürfen.

Je länger ich mich mit dem Thema Hochsensitivität beschäftige, desto deutlicher wird mir, was die Menschen, die ihre Feinfühligkeit grundsätzlich als positive Stärke bewerten von denen unterscheidet, die unter ihr leiden. Es ist das negative Gedankenkarussell, in das wir uns selbst stecken.

Niemand tut anderen etwas Schlimmeres an, als eine perfektionistisch veranlagte hochsensitive Person sich selbst

Bevor Hochsensitive sich mit anderen austauschen, steht das Resultat in ihren Köpfen oftmals schon fest. Ich wurde kürzlich konfrontiert mit Zuschreibungen wie „Du wirst derartige Dinge vermutlich nicht akzeptieren können und für Dich verhöhnen...“ oder zweifelnden Fragen nach einem angenehmen und offenen Gespräch wie „Habe ich Dich verschreckt?“ Dabei bestand in diesen Aussagen kein Zusammenhang zu mir und meiner Welt. Ich fühlte mich jeweils nicht einmal wirklich angesprochen. Ich kann guten Gewissens sagen, niemals jemanden verhöhnt zu haben. Ich gerate ebenso selten aus der Fassung. Ich konnte also nicht gemeint sein.

Hätte mich einen Tag vor diesen Äußerungen jemand gefragt, ob ich negative Glaubenssätze auflösen kann, hätte ich dies verneint. Als Expertin für vorwegnehmende Selbstkritik bringe ich ein immenses Insiderwissen mit.... aber Wege aus der Selbstzerfleischung aufzuzeigen? Wie denn? Als ich dann die Ursache der Problematik erkannte, wurde mir klar, dass ich mich im Grunde mein gesamtes Erwachsenenleben mit genau diesem Thema beschäftige. Mir fielen plötzlich unglaublich viele Interventionsmöglichkeiten ein, die ich kenne und sogar ausprobiert habe, um mein eigenes Gedanken- und Gefühlskarussell zu stoppen. Daraus entsprang spontan die Idee, darüber zu schreiben.
                                                                                                          
Ich fragte auch andere Hochsensitive. Viele berichten darüber hinaus, dass sie sich durch ihre differenzierte körperliche Wahrnehmung in Vorstellungen von möglicherweise existierenden Krankheiten hineinsteigern. Eine Weiterführung davon stellt der mir mehrfach beschriebene Zeitvertreib dar, sich für seine Lieben alle möglichen Todesarten vorzustellen. Ich erfuhr kreative und phantasievolle Versionen von Worst Case Scenarios. Unvergessen sind die Äußerungen unseres damals sechsjährigen Sohnes um seinen ersten Flug herum:

Vor dem Flug: „Papa, wenn es im Flugzeug gebrannt hat, dann rufen wir dich an.“
Während des Fluges: „Wenn wir abstürzen, dann mit der Schnauze zuerst, nicht nach hinten.“
Etwas später: „Ich habe Angst, ich will jetzt sofort zurück zu Papa.“
Bei der Landung: „Mama, das kann auch passieren, dass die Bremsen nicht gehen, dann fahren wir weiter und irgendwann knallen wir wo gegen.“
Nach der Landung: „So Mama, und jetzt steige ich nie wieder in ein Flugzeug!“
(es war nur der HINflug…)

Immer wieder höre ich Variationen von „Ich kann das nicht“ - und durfte den Gipfel einer solch strengen Selbstbewertung erleben, als ein hochbegabter Junge im Vorschulalter das von ihm noch gar nicht angefangene Bild bereits wütend zerknüllte. Dieses zerfurchte leere Blatt bewahre ich seit Jahren auf. Es ermahnt mich, positiv zu denken. Ich selbst kann allerdings auch nächtelang damit zubringen, passende Formulierungen und Entgegnungen zu finden für längst vergangene Momente und Begegnungen, in denen ich sie gebraucht hätte.

Viele unserer negativen Gedanken und Überzeugungen stammen aus unserer Kindheit. Nicht alle hatten wir liebevolle Eltern. Nicht selten beschreiben mir hochsensitive Personen, dass sie nicht gewollt wurden und dass ihnen das von ihren Eltern auch freimütig und unschön übermittelt wurde. Und natürlich macht es das nicht einfacher, diesen Überzeugungen, nicht richtig zu sein, zu entkommen. Aber es ist möglich. 

Ich selbst hatte ein Thema mit negativen Gefühlen, die ich sehr lange nicht als die positive Kraftquelle und Grenzenanzeiger erkannt habe, die sie sind. Früher erlebte ich sie einfach nur als Bedrohung und entfernte mich davon, im Außen wie im Innen. Ich musste erst lernen, sie als Teil von mir anzuerkennen, der mir einen Veränderungswunsch mitteilen möchte.                              
 
James T. Webb beschreibt in seinem Klassiker „Hochbegabte Kinder - Das große Handbuch für Eltern“, wie negative Selbstgespräche auch mit unpassendem Stressmanagement zusammenhängen und regt folgende Fragestellungen zur Selbstreflexion an:

  • Wenn etwas bei mir schiefläuft – mache ich dann daraus eine Katastrophe?
  • Reagiere ich übertrieben und rede mir danach ein, ich würde einfach nichts taugen?
  • Mache ich mir regelmäßig meine Gedanken bewusst und nutze sie, um nach vorn zu schauen?
  • Verlange ich von mir und anderen permanente Hochleistung und erzeuge damit zusätzlichen Druck? 
  • Lebe ich vor, wie ich angemessene Ventile für einen gesunden Perfektionismus finde und bestärke mich in meinen Anstrengungen?
  • Konzentriere ich mich auf Fehler oder messe ich Erfolgen ebenso viel Bedeutung bei?
  • Erkenne ich Anstrengung und Erfolge an?
  • Spreche ich über meine Stärken oder eher über die Schwächen?   

Wir sind dabei also auch Vorbild für unsere Kinder. Jean Piaget erkennt bereits im Sprachgebrauch von Kindern das Phänomen der „egozentrischen Sprache“. Egozentrische Sprache sei nicht-kommunikativ, wiederholend und selbstbezogen. Dieser Monolog dient einerseits als eingesetzte Wortmagie der Wunscherfüllung einer Handlung, die das Kind nicht auszuführen vermag. Andererseits kann sein, dass das Kind das Wort noch nicht von der Handlung unterscheiden kann.

Erst das kommunikative Sprechen ist „sozialisiert“ und dient der Aufnahme von Beziehungen. Wir lernen also zuerst, mit uns selbst zu sprechen, bevor wir mit anderen sprechen. Webb schlägt daher vor, nicht nur darüber zu kommunizieren, was man am Tag so erlebt und was man dabei empfunden hat, sondern das Augenmerk ebenso darauf zu richten, was man darüber gedacht und zu sich selbst darüber gesagt hat. Denn das beeinflusst unser Verhalten und unsere Reaktionen auf Dinge, die uns geschehen, mehr als alles andere. 

Was steckt hinter dem negativen Gedankenkarussell?

Robert B. Dilts beschreibt in seinem Werk über die Auflösung von Glaubenssätzen „Die Magie der Sprache“, dass die am häufigsten auftretenden einschränkenden Überzeugungsmuster, die einen Einfluss auf die geistige und körperliche Gesundheit eines Menschen haben, die Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit und Wertlosigkeit sind.

  • Hoffnungslosigkeit, dass mein gesetztes Ziel definitiv unerreichbar ist. „Es ist nicht zu schaffen.“ Es ist das klassische Opferdenken.
  • Hilflosigkeit, dass ich zwar sehe, wie andere mein Wunschziel erreichen können, es mir jedoch verwehrt ist. „Ich kann es nicht schaffen.“ Es ist die typische Auffassung von jemandem, der denkt, nicht gut genug zu sein. Häufig genug sind das Menschen, die glauben, dass sie „schon alles ausprobiert“ haben. Umsonst.
  • Wertlosigkeit, weil ich es gar nicht verdiene, mein Ziel zu erreichen. „Ich bin es nicht wert.“ Es ist Ausdruck des gefühlten Hochstaplersyndroms. Es liegt häufig so tief im Verborgenen, dass es uns nicht bewusst ist. Es sind die klassischen Selbstsaboteure.                             

Bevor ich über meine persönlichen Methoden berichte, wie ich aus dem negativen Gedankenkarussell aussteige, ist es sinnvoll, folgende hilfreiche Vorannahmen und Theorien über die Möglichkeiten der Steuerung von Gedanken und Gefühlen an sich voranzustellen:

Hilfreiche Vorannahmen über das, was ich in meinem Leben beeinflussen kann

Einmal möchte ich es in Gedichtform sagen  (auch wenn es schon fast 20 Jahre her ist, dass ich es schrieb):

- Tief eingegraben in mir
dachte ich wären
Schmerz
Angst
Traurigkeit
Doch sie sind nur
auf das geworfen
was wirklich in mir ist
Freude und Lachen -

                                
Und nun ein wenig ausformulierter:

  • In meinem Kern bin ich richtig.
  • Ein Gefühl, dem ich Raum gebe, es annehme und bewusst erlebe, anstatt es zu unterdrücken, verliert seine Bedrohung.
  • Jedes Gefühl, das ich in mir wahrnehme, erhält erst eine Bedeutung, wenn ich es mit meinem Gedankensystem bewerte. Ich kann mich mit dem Problem   identifizieren oder ich kann es lösen, indem ich es von außen auf einer Metaebene betrachte. Ich entscheide, wie ich reagiere.
  • Ich habe die Fähigkeit, mein Leben aktiv und handelnd zu gestalten. Ich habe es in der Hand, meine Intuition (meine Emotionen), die aus meinen kindlichen Prägungen entspringt, begründet und bewusst mit meinem Wissen und meinen Erfahrungen (meinen Gedanken und Bewertungen) zu verknüpfen und zu integrieren. Das ist meine Freiheit.
  • Negative Gedanken sind veränderbar. Ich zitiere Dilts: Durch Reframing (Umdeutung) können alle einschränkenden Überzeugungen in solche umgewandelt werden, die Hoffnung auf die Zukunft beinhalten, außerdem ein Gefühl der eigenen Fähigkeit und Verantwortung und ein Gefühl des eigenen Wertes und der Zugehörigkeit.
  • Die Welt ist mein Spiegel. Ein Konflikt, auf den ich mich emotional einlasse, deutet auf ein Gedankenkarussell hin, das sich auflösen möchte. Ein von mir verdrängter Anteil, ein Schatten, möchte integriert werden. Dafür kann ich mich aktiv entscheiden.
  • Der Schlüssel zur Wahrnehmung ist mein Körperempfinden. Jedes Gefühl, jeder Gedanke spiegelt sich in meinem Körper wider und kann dort bewusst von mir aufgesucht, erlebt und angenommen werden.

Ich denke, es wird bereits deutlich, dass ich neben dem kognitiven Bereich der Sprache auch den physischen Bereich der Emotionen und des Körpers als ebenso wichtig betrachte. Mein Zugang zur Lösung geht daher auch über den Körper. Das möchte ich als nächstes begründen.

Wie mein Körper mit meinen Gedanken und Gefühlen zusammenhängt

Ich möchte hierfür ein möglichst einfaches Modell zur Hilfe nehmen. Alexander Lowens „Bioenergetik“ stellt anhand von Bewusstseinsstufen das Wachstum und die Entwicklung der Persönlichkeit dar. Von Stufe zu Stufe gewinnt sie dabei an Schärfe und Unterscheidungskraft:

  • Körperliche Prozesse stellen dabei die unterste Stufe dar, entsprechend dem körperlichen Fühlen eines Kleinkindes, das Herzschlag und Atmung wahrnimmt und unbewusst reagiert.
  • Auf der nächsten Stufe werden bereits spezifische Emotionen wahrgenommen und identifiziert, welches die Wahrnehmung und Bezugsetzung zu einer Außenwelt voraussetzt.
  • Mit wachsender Bewusstheit der sozialen Welt und dem Spracherwerb setzt das Denken ein.
  • Bewusstes und objektives Denken führt zum Bewusstsein des Ichs. Auf dieser Ebene kann bewusst über ein Verhalten entschieden werden.
  • Hieraus entwickelt sich ebenfalls die Metaebene, in der man sich gleichzeitig über das eigene Denken bewusst wird, über das eigene Subjekt- und Objektsein.

Lowen unterscheidet Menschen, die eher im Kopf-Bewusstsein mit ihren Gedanken und Vorstellungen, der „Idee des Fühlens“ unterwegs sind. Er sieht in deren Gegenpol Menschen mit Körper-Bewusstsein. Sie halten engen Kontakt zu dem Kind, das sie einmal waren und wissen, was und an welcher Stelle des Körpers sie etwas fühlen. Gleichzeitig könnten sie sagen, was andere fühlen und wie diese Gefühle an deren Körpern abgelesen werden könnten. Sie sind empathisch.

Erst über das Körper-Bewusstsein nähert die Bioenergetik sich dem Unbewussten, zu dem das Kopf- oder Ich-Bewusstsein keinen Zugang haben. Das Ziel besteht jedoch nicht darin, das Unbewusste ins Bewusstsein zu rücken, sondern es als Kraftquelle und als Stärke zu nutzen, es vertrauter und weniger furchterregend zu machen.
                                                                                                  
Auch Riedener Nussbaum und Storch, die sich mit Selbstmanagement beschäftigen, sehen einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Körper-Selbst und dem Unbewussten. Das Unbewusste wird von ihnen als anpassungsfähig beschrieben, da es nicht nur angeboren ist, sondern sich durch neu erworbene Elemente in ständiger Veränderung befindet. Das Körper-Selbst dient dabei als Erfahrungsspeicher. Dadurch lässt sich begründen, wie die im emotionalen Erfahrungsgedächtnis ständig stattfindenden Bewertungsprozesse ihren körperlichen Ausdruck finden. Sie nennen sie „somatische Marker“. Diese wiederum lassen auf ein Körperwissen unterhalb der Bewusstseinsschwelle schließen, das z.B. in manchen Entscheidungsprozessen zu intrinsisch motivierten Zielsetzungen mit hoher Erfolgsaussicht verhelfen kann. Auf dieser Grundlage haben sie das Zürcher Ressourcenmodell entwickelt.

Safi Nidiaye beschreibt vier Emotionsschichten. Wenn an der Oberfläche eine negative Emotion wie Ärger oder Stress wahrnehmbar ist, so kann das tieferliegende Gefühl darunter ein verdrängter Schmerz sein, der uns z.B. in unsere Kindheit zurück katapultiert. Ich fühle mich dann abgelehnt, alleingelassen, ungerecht behandelt – ohne dass das mit der akuten Situation irgend etwas zu tun hätte. Wenn ich von dort weiter forsche, ist darin häufig ein Wunsch versteckt, von dem ich gerade abgetrennt bin. Diese verborgene Sehnsucht nach dem Gegenteil dessen, was ich gerade fühle, kann bedeuten, dass ich geliebt, gesehen und angenommen werden möchte, wie ich bin. Und darin ist dann oft in der am tiefsten gelegenen Schicht wiederum ein schönes Gefühl zu entdecken, z.B. Sicherheit und Glück.                                                                              

Was macht ein gutes Leben aus?

Nach Adler und Fagley zeige ich ein annehmendes und wertschätzendes Leben wie folgt:

  • mich auf das zu besinnen, was ich habe - und nicht auf das, was mir fehlt
  • Ehrfurcht
  • Rituale aufzubauen, in denen ich meine Erfolge feiere
  • mich auf das Hier und Jetzt zu besinnen
  • Vergleiche anzustellen (aber nur, wenn ich heute im Vergleich zu vorher oder in Bezug auf andere besser da stehe – Vergleiche nach unten sind hilfreich, Vergleiche nach oben nicht)
  • Dankbarkeit
  • Das Gute oder die Entwicklungsschance in einem Verlust oder etwas Schlechtem zu sehen, das mir passiert 
  • gute Beziehungen zu anderen Menschen

Hier geht es sowohl um Mechanismen, wie ich mit schlechten Begebenheiten umgehen kann, als auch um das Gute im Leben. Fred B. Bryant und Joseph Veroff erforschen in ihrem Buch „Savoring – A New Model of Positive Experience“ die Fähigkeit, im Hier und Jetzt zu sein und das Leben zu genießen und setzen somit den Copingstrategien, die sich mit dem reinen Überleben beschäftigen, eine positive Psychologie entgegen.                                                                                    

  • Wie nehme ich einen schönen Moment wahr und konserviere ihn bewusst?
  • Wie lerne ich, ein mir innewohnendes Gefühl mit innerem Gewahrsein zu betrachten?
  • Was kann ich tun, um mich gut zu fühlen?                                                                                             
  • Wie betrachte ich aus dem Moment heraus meine Vergangenheit und Zukunft? 
  • Mit wem kann ich meine positiven Erfahrungen teilen und dadurch multiplizieren?                

Sie fanden jedoch bei ihrer Forschung einen Spielverderber schöner Momente oder Erinnerungen, den ich das negative Gedankenkarussell nenne. Depressive Verstimmungen und ein geringes Selbstwertgefühl sind bei solchen Denkmustern häufig mitgebucht:

  • Ich erzähle mir, warum ich das Gute nicht verdient habe
  • Ich freue mich nicht und überlege, wie es noch besser hätte sein können
  • Ich verschließe mich innerlich und gehe so aus der Situation
  • Ich rede mir ein, dass ich nicht so gut bin, wie ich gehofft hatte
  • Ich denke an all die Dinge, die ich erledigen müsste und/oder all die Orte, an denen ich jetzt eher sein sollte
  • Ich denke an aufgeschobene Probleme und Sorgen, mit denen ich mich längst hätte auseinandersetzen müssen
  • Ich denke an etwas, das mich Schuld fühlen lässt     

Im Positiven kristallisierten sich verschiedene Verlaufsformen des Genießens heraus, die sich auf das Innenleben oder die Außenwelt, auf die Gedanken oder den Grad der Versunkenheit (experiential absorption) beziehen können:

  • Dankbarkeit ausdrücken (kognitiver Vorgang, auf die Außenwelt bezogen)
  • Staunen (z.B. über ein Naturereignis im Außen, von dem ich völlig absorbiert bin)
  • in Stolz/Erfolg baden (kognitiver Vorgang, auf die Innenwelt bezogen)
  • in Genuss schwelgen (sich selbst etwas Gutes tun, z.B. ein Bad einlassen, und darin versinken)
  • Zugehörigkeit fühlen (zu einer Gruppe)     

Neun von ihnen aufgezeigte positive Wege, das Leben zu genießen, sind

  • das Teilen und der Austausch mit anderen
  • der bewusste Aufbau und die Speicherung von Erinnerungen (z.B. durch Innehalten)
  • die Fähigkeit, sich selbst zu gratulieren und schöne Momente zu feiern
  • das Schärfen der sinnlichen Wahrnehmung (z.B. durch Fokussieren)
  • das Vergleichen mit anderen schönen Situationen
  • das Aufgehen/Versinken im Moment
  • das Zeigen und körperliche Ausleben von positiven Emotionen
  • das Bewusstsein einer besonderen Zeitqualität (z.B. „Das passiert mir nur einmal im Leben!“)
  • Dankbarkeit - als Fähigkeit, das Gute im Leben zu sehen (counting blessings)

Wie kann ich eine positive Erwartungshaltung gewinnen?                         

Eng verbunden mit der Fähigkeit, das Gute zu sehen und zu feiern, sich darüber mit anderen auszutauschen ist die eigene Erwartungshaltung in Bezug auf die Wahrscheinlichkeit, dass mir solche guten Dinge überhaupt passieren. Wie viel gefühlte Kontrolle besitze ich über mein Leben?  Wie deckungsgleich ist dieses Gefühl mit meiner wahren Macht, die ich über meinen persönlichen Spielraum habe? Je mehr ich an das Gute in meinem Leben glaube, desto häufiger werde ich gute Momente erleben.
                                                                                                     
Effektive Wege, um das Leben mehr zu genießen, sind nach Bryant und Veroff

  • Unterstützung durch andere
  • Kreatives Schreiben (über meine Erfahrungen)
  • Imagination (positiver Ausgänge)
  • Humor
  • Spiritualität/Religion
  • Entwicklungsorientierung (die Erkenntnis, dass auch negative Dinge vorbeigehen)

 

Mögliche Wege, aus dem Gedankenkarussell auszusteigen

So weit die Theorie.

Ich fasse zusammen, was ich daraus ableite:

  • In den Körper hineinzuspüren ist der einfachste Zugang, um mich auf allen Ebenen zu verändern.
     
  • Die emotionale Ebene kann mir zur Aufgabenstellung dienen. Indem ich wahrnehme, welche Gefühle mich triggern, weiß ich, an welcher Stelle ich ansetzen kann, um das Gedankenkarussell bewusst anzuhalten.
                                                                                                         
  • Auf der Ebene des Denkens kann ich die inneren Glaubenssätze anschauen, die mein Gedankenkarussell befeuern - und sie durch andere, stimmigere ersetzen.
          
  • Auf der Ebene des Ich-Bewusstseins geht es darum, konkret das gezeigte Verhalten zu ändern. Hier sehe ich insbesondere der Austausch mit anderen angesprochen, meine Art zu kommunizieren.
         
  • Um destruktive innere Stimmen abzustellen, scheint es hilfreich zu sein, diese Stimmen direkt zu Wort kommen zu lassen und einen Inneren Zeugen zu etablieren. Das wäre dann die kognitive Metaebene, mit Hilfe der Sprache.

Das Wissen um eine Problematik kann allein noch nichts zur Lösung beitragen. Im Gegenteil: „Wir benutzen Worte oft, um nichts zu ändern“, stellte bereits Alexander Lowen fest. Also stelle ich im Anschluss eine kleine Auswahl meiner Lieblingsübungen vor und lade ein, einfach mal mit einer, die spontan sympathisch wirkt, anzufangen. Dawna Markova stellt in „Die Versöhnung mit dem Inneren Feind“ deutlich, wie individuell die Lösungs- und Heilungswege sind und dass es nicht um programmierte Lösungen gehen kann. Daher ordne ich sie den verschiedenen Zugangsebenen zu.

Körperorientierte Lösungshilfen

Wichtig ist bei allen körperorientierten Methoden, dass ich nichts an mir verändern will oder muss. Ich beobachte und nehme wahr. Ich spüre. Ich bringe mich ohne etwas zu bewerten ins Hier und Jetzt. Mehr braucht es nicht.

  • Meditation – in der ich den inneren Dialog so unbeteiligt wie möglich einfach nur betrachte
  • Yoga - und alles, was mich in die Atmung bringt
  • Problemhaltung – Lösungshaltung.

Olaf Jacobsen zitiert in „Ich stehe nicht mehr zur Verfügung“ diese Übung von Klaus Mücke.

Ausgehend von einem Problem nehme ich eine dazu passende Körperhaltung ein und atme bewusst hinein. Dabei beobachte die Gedanken, die in mir auftauchen.

Ich stelle mir nun vor, wie es sich anfühlen würde, wenn mein Problem wie durch ein Wunder gelöst wäre und nehme eine neue Körperhaltung ein, die diese Lösung ausdrückt. In der neuen Körperhaltung lerne ich die freie, tiefe Atmung und neue angenehme innere Sätze kennen.

Ich wechsele immer wieder langsam zurück von der einen Haltung in die andere. Ich trainiere den Bewegungsablauf und speichere ihn in meinem Körper ab.

Wenn das Problem im Alltag irgendwann wieder auftaucht, kann ich mich leichter an die Lösung erinnern und in die Lösungshaltung wechseln.

Gefühlsorientierte Lösungshilfen

Diese Methoden sind die machtvollsten Instrumente, die ich kenne, und ich nutze sie regelmäßig. Damit kann ich negative Gefühle und Gedanken transformieren und gleichzeitig meine Beziehungen zu den betreffenden Konfliktpartnern verbessern.

  • Körperzentrierte Herzensarbeit nach Safi Nidiaye

Hier folgt eine Kurzversion:

Über einen Konflikt oder ein Symptom mithilfe wahrnehmendem meditativen Atmen werde ich behutsam in Kontakt mit der Stelle in meinem Körper gebracht, in der sich das Ausgangsproblem manifestiert.

Dadurch erscheint das darunterliegende Gefühl. In dieses atme ich weiter hinein und lasse es zu, nehme es an.

Schließlich öffne ich mein Herz für dieses Gefühl, indem ich es frage, was es von mir braucht: Wahrgenommen werden, die Erlaubnis, dazusein, Anerkennung, Verständnis, Mitgefühl, Erbarmen, Achtung, Raum, als Gefühl und nicht als Tatsache wahrgenommen zu werden, gefühlt werden etc.

Anschließend frage ich es, was es als nächsten Schritt von mir benötigt – und führe diesen Wunsch in der Folgezeit immer wieder aus, bis es sich gut anfühlt.

Sehr hilfreich für empathische Hochsensitive, ist, dass es auch eine Möglichkeit gibt, Fremdgefühle wahrzunehmen und der betreffenden Person zurückzugeben.

  • 3-2-1- Schattenprozess nach Ken Wilber

Es ist eine Schreibübung aus dem Buch „Integrale Lebenspraxis“.

Auch hier beginne ich mit einer Person, die ich anziehend oder abstoßend finde, einem Traumbild oder einer Körperempfindung. Es geht dabei darum, meinen Schatten zu erkennen, meinen persönlichen Anteil an den Gefühlen, die etwas oder jemand triggert, und ihn zu integrieren.

3 – sich damit konfrontieren                                                                                   
Ich beschreibe das Problem und die Gefühle, die es in mir auslöst, in schillernden Farben und benutze dabei die dritte Person: Er, sie oder es regt mich maßlos auf, weil...

2 – damit sprechen
Ich spreche mein Problemobjekt in der zweiten Person mit Du an und stelle Fragen wie  „Wer/was bist du? Woher kommst du? Was willst du von mir? Was musst du mir sagen? Welches Geschenk hältst du für mich bereit?“ Dann formuliere ich eine spontane Antwort und lasse mich überraschen von den Dingen, die bei diesem Dialog herauskommen.

1 – es sein
In der ersten Person als Ich sehe und beschreibe ich die Welt, einschließlich meiner selbst, ganz aus der Perspektive dieser Störung, und erlaube mir zu spüren, dass ich wirklich ein- und der-/die-/dasselbe bin. Das fühlt sich natürlich fast immer ziemlich disharmonisch oder „falsch“ an, enthält zumindest einen wahren Kern. Schließlich erkenne ich meinen bislang unterdrückten, verleugneten und nicht gelebten Schatten. Ich verbinde mich mit ihm und integriere ihn.

Gedankenverändernde Lösungshilfen

Methoden dieser Ebene zeigen mir einen Weg in die Selbstwirksamkeit und geben mir die Kontrolle über meine Gedanken und Gefühle zurück: Die Lösung des Problems liegt immer in mir.

  • Achtsamkeit
  • The Work nach Byron Katie

Es gibt unzählige abgewandelte Formen dieser Intervention auf Gedankenebene. Diese habe ich „Eintausend Namen für Freude“ entnommen.

Ich schreibe wieder auf, was mich an der Person, mit der ich ein Problem habe, ärgert:

1. Wer macht mich ärgerlich, traurig oder enttäuscht mich und weshalb? Was mag ich an dieser Person nicht?                     

2. Was will ich von ihr? Wie soll die Person sich für mich ändern?

3. Was genau soll die Person denken oder fühlen, was soll sie für mich tun oder lassen? Wie sollte er/sie sein? Welchen Rat würde ich ihr gern geben?

4. Brauche ich etwas von der Person? Was sollte er/sie für mich tun, damit ich glücklich bin?

5. Was denke ich über sie? Ich zähle es kleinlich und streng auf.

6. Was will ich mit dieser Person nie wieder erleben?

Und jetzt kann ich diesen Erguss mit folgenden Fragen überprüfen:

1. Stimmt das?

2. Kann ich absolut sicher wissen, dass das stimmt?

3. Wie reagiere ich auf diesen Gedanken?    

4. Wer oder was wäre ich ohne diesen Gedanken? Und nun kehre ich diesen Gedanken um.
Auch hier kehre ich nun alle Sätze, die ich über meinen Konfliktpartner geschrieben habe, so um, dass ich das er oder sie durch ein Ich ersetze. Oder ich behaupte einfach das Gegenteil. Es geht darum, kreative Alternativen zu meiner ursprünglichen Realität zu finden, die mir aufzeigen, dass ich mich jederzeit entscheiden kann, etwas anderes zu denken.

  • Dankbarkeit

Das muss nicht mehr heißen, als dass ich mir abends drei Dinge aufschreibe, die mir heute gelungen sind, über die ich mich gefreut habe. Schön wäre noch, wenn ich mir dazu ins Gedächtnis rufen kann, was ich aktiv zu diesen schönen Momenten beigetragen habe.

  • Affirmationen     

Derartige Bejahungen, Bekräftigungen drücken etwas, das ich mir wünsche, so aus, als wäre es jetzt schon geschehen. Sie sind immer positiv formuliert. Je kürzer sie sind, desto besser. Sie müssen zu mir passen. Sie haben nicht die Absicht, das das Alte zu verändern, sie nehmen die bestehende Situation an, anstatt gegen sie zu kämpfen. Sie lassen Neues entstehen. Ein empfehlenswertes Buch dazu ist „Stell dir vor – kreativ visualisieren“ von Shakti Gawain. Sie hat mich durch folgende Übung schließlich überzeugt, dass ich mit Affirmationen – nachdem ich z.B. mit denen nach Louise L.Hay nie viel anfangen konnte - tatsächlich arbeiten kann.

Ich wähle eine Affirmation aus und schreibe sie 10-20mal hintereinander auf, wobei ich meinen Namen einsetze und jeweils in der ersten, zweiten und dritten Person den gleichen Satz formuliere. „Ich, Britta, bin ein begnadeter Coach. Britta, du bist ein begnadeter Coach. Britta ist ein begnadeter Coach.“

Dabei achte ich auf Widerstand, der sich in mir rührt, auf zweifelnde Gedanken oder Begründungen, warum die Aussagen nicht stimmen können. Sobald ein solcher hinderlicher Satz erscheint, schreibe ich ihn auf die Rückseite und mache dann weiter mit der Affirmation, bis das nächste Gegenargument erscheint.

Wenn ich ehrlich zu mir war, kann ich in meinen festgehaltenen negativen Gedanken die Glaubenssätze erkennen, die mich davon abhalten, zu haben, was ich erreichen möchte.

Im nächsten Schritt setze ich diesen negativen Äußerungen wieder positive Affirmationen entgegen. Oder ich ändere die ursprüngliche etwas ab, damit sie sich passender für mich anfühlt.

Das mache ich in der Folgezeit immer wieder, bis die negativen Programme mir komplett bewusst geworden sind und keine neuen mehr auftauchen. Dann kann ich mit der Affirmation an sich weiterarbeiten – die nun ihre volle Wirkung entfalten dürfte.

  • Sich in einen Steinkreis aus Pietersit legen

Ich habe mich in meinem ersten Jahr an der Heilpraktikerinnenschule „Alchemilla“ im Rahmen meiner Heilerausbildung in einen solchen Steinkreis legen dürfen. Die Art, in der meine Gedanken zur Ruhe kamen, war für mich so bahnbrechend, dass ich mir danach gleich eine Handvoll Trommelsteine aus Pietersit gekauft habe, die mit meinen Bergkristallen zusammen einen Kreis bilden, der sogar im Liegen groß genug für mich ist. Wer sich angesprochen fühlt, den lade ich gern dazu ein, das mal auszuprobieren.

  • Bewusst entgegensteuern

Als ich das Internet fragte, nannte jemand die Idee, einfach Matheaufgaben im Kopf zu rechnen, um den Verstand anders zu beschäftigen. Oder aus dem, was einem an den Kopf geworfen wurde, das Gegenteil zu machen: ein Kompliment. Jemand schlug das 60 Sekunden-Lächeln von Vera Birkenbihl  vor – einfach so tun, als ob! Die Liste ist sicherlich weiterzuführen.                                                                      

Bewusst verhaltensändernde Lösungshilfen

Diese Methoden setzen voraus, dass ich nicht erwarte, dass mein Gegenüber mich rettet oder meine Bedingungen zuerst erfüllt. Ich löse mich bewusst aus der Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit und Wertlosigkeit. Hier bin ich die Handelnde, die aktiv wird und einen Schritt auf den anderen zugeht. Oft geht es darum, den Dialog miteinander (wieder) zu eröffnen. 

  • Energie übersenden

Wenn ich in einem Konflikt stecke, stelle ich mir aktiv vor, wie ich mich mit Licht oder Energie oder was auch immer ich gerade brauche, auffülle, sowohl von der Erdmitte als auch aus dem Himmel kommend, und dann sende ich der betreffenden Person – je nachdem, wie nah oder wichtig sie mir ist - über meinen Solarplexus oder aus meinem Herzen die Wärme, Liebe, Farbe, Kraft, was auch immer, von der ich erahne, dass sie es brauchen könnte.

  • Wertschätzende Kommunikation

Der Liebesforscher John M. Gottman erzählt in seinem Buch „Die 7 Geheimnisse einer glücklichen Ehe“, wie er nach fünf Minuten Beratungsgespräch vorhersagen kann, ob das vor ihm sitzende Paar sich scheiden lassen wird oder nicht. Die sogenannten apokalyptischen Reiter, an denen er sich unter anderem orientiert sind das Äußern von Kritik als Beschwerde, der Ausdruck von Verachtung, die Rechtfertigungshaltung und das Abbrechen des Dialogs durch Mauern.

Dabei gibt es klare Grundregeln in der Kommunikation mit anderen. Eine gute Quelle bietet Thomas Gordon. Anstatt also unqualifiziert eine Beschwerde rauszuhauen, wenn ich ein Problem habe oder mir etwas vom anderen wünsche, setze ich eine gezielte Ich-Botschaft.

Es gibt vier Formen von Ich-Botschaften:

1. deklarierende Ich-Botschaften, mit denen ich sachlich offenbare, wie es in mir aussieht und was mir wichtig ist.

2. reagierende Ich-Botschaften, die dem anderen eindeutig und ehrlich mitteilen, was ich von der Aufforderung, Erwartung oder Bitte halte, die an mich herangetragen wurde.

3. vorbeugende Ich-Botschaften, mit denen ich vorausschauend auf meine Zukunft Bezug nehme und meine Wünsche, Bedürfnisse und Absichten mitteile.        

4. konfrontierende Ich-Botschaften, mit denen ich mich auf ein einschränkendes, verhinderndes, frustrierendes oder verletzendes Verhalten des Gegenübers ehrlich und echt in meiner Befindlichkeit zeige und verdeutliche, welches nicht-akzeptable Verhalten welche Gefühle und Gedanken in mir ausgelöst hat. Sie zeigen den Anderen als Auslöser für die Situation, beschuldigen ihn jedoch nicht.

Viel wichtiger jedoch als über mich zu reden ist es, dem anderen zuzuhören. Das aktive Zuhören setze ich ein, wenn ich den Eindruck habe, dass meinem Gesprächspartner etwas auf der Seele liegt. 

Es wirkt auf drei Ebenen.

1. Ich signalisiere mein Zuhören durch Blickkontakt, meinen Gesichtsausdruck und die entsprechende Körperhaltung und Gestik.

2. Ich überprüfe, ob ich meinen Gesprächspartner richtig verstanden habe, indem ich gezielt nachfrage, mit eigenen Worten das Verstandene wiederhole und zusammenfasse.

3. Ich setze mich in den anderen hinein und spreche die Gefühle an, von denen ich meine, sie zu spüren. Ich höre seine Wünsche heraus. Typischerweise setze ich hier eine Du-Botschaft.

Dies sind nur die absoluten Grundlagen, es lohnt sich in jedem Falle, sich mit gewaltfreier Kommunikation nach Marshall Rosenberg auseinanderzusetzen. Wertschätzende Kommunikation kann nur einer Haltung der Wertschätzung entspringen und nicht methodisch erlernt werden.                                                                                                                                   

Lösungshilfen auf der Metaebene

Hier geht es um den Adlerblick auf sich selbst. Der mir jedoch nur wenig hilft, wenn ich ihn nicht wieder in die Tiefe bringe und die Ebenen des Bewusstsein, Denken, der Emotionen und des Körpers miteinander integriere. Viele dieser Methoden sehe ich eben deshalb auf der Metaebene angesiedelt, weil sie die unteren Ebenen gekonnt miteinander verbinden.

  • Der Weg des Künstlers

Als Kunstenthusiastin und Arts and Change-Coach muss ich natürlich alle Methoden, die in die Kreativität und den persönlichen Ausdruck mit künstlerischen Medien führen, voranstellen. Das gleichnamige Buch von Julia Cameron möchte ich als machtvolles, lebendiges Selbstfindungstool ebenfalls stark empfehlen. 

  • Zürcher Ressourcenmodell

Es gibt unzählige Variationsmöglichkeiten. Hier wird mit Ressourcen gearbeitet, indem z.B. anhand eines konkreten Veränderungswunsches oder unbewusst mithilfe eines schönen Bildes positive Begriffe gesammelt werden.

Anhand der auftretenden somatischen Marker wird eine Auswahl getroffen, aus der dann später eine Zieldefinition (eine Affirmation) dessen entsteht, was ich erreichen möchte.

Erinnerungshilfen werden anhand von Symbolen und durch eine passende körperliche Bewegung verankert.

Um den Transfer ins Leben zu sichern, wird konkret ausgearbeitet, in welchen möglichen Verhaltensweisen sich der Wunsch ausdrücken könnte.  

  • Die Arbeit mit den Inneren Stimmen

Dies ist bei weitem mein Lieblingsansatz. Es gibt ihn in vielfältigster Art und Weise. Mein erster Zugang war Artho Wittemanns „Individualsystemik“. Er beschreibt fünf Dimensionen innerer Persönlichkeiten: Mann, Frau, Kind, Tier, Gott.

Ich lasse eine innere Stimme zu Wort kommen und stelle mir vor, wo im Raum sie sich aufstellen würde. Dann nehme ich diese Position ein und bin in Kontakt mit dieser inneren Stimme. Ich atme und fühle mich ganz in sie hinein. Von da an sehe ich weiter.

Häufig führe ich auch Schreibdialoge mit meinen inneren Stimmen. Ich stelle eine Frage und etwas in mir antwortet. Es ist es eine deutlich andere Handschrift.

Ebenso habe ich eine imaginativen Zugang zu meinen inneren Personen, indem ich eine Traumreise an meinen inneren Rückzugsort mache (es ist immer der gleiche Weg zu immer dem gleichen Haus am immer gleichen Strand). Dort treffe ich mich innerlich am Lagerfeuer mit einer inneren Stimme. Das Gute an den Visualisierungen persönlicher Treffen mit Inneren Stimmen ist, dass man beim Abschied ein symbolisches Geschenk erhält, das man in sein Leben mitnehmen kann.
     
Hal und Sidra Stone haben viele Bücher über die Arbeit mit den inneren Stimmen geschrieben, z.B. "Du bist richtig - Mit der Voice Dialogue Methode den inneren Kritiker zum Freund gewinnen". Sie beschäftigen sich auch insbesondere mit dem Inneren Patriarch und der Inneren Matriarchin.

Sie führen über die kritischen Stimmen zum Inneren Kind und etablieren eine verantwortungsvolle Elternrolle. Oftmals hilft es, diesen verlassenen und verlorenen inneren kindlichen Anteil virtuell in den Arm zu nehmen. Wenn er sich gesehen fühlt, seine Bedenken angenommen werden, lässt es sich leichter einen Schritt in eine aus Sicht des Kindes vermeintliche Bedrohung gehen. Dann gehen wir diesen Schritt gemeinsam.

Schulz von Thun nennt diesen Ansatz das „Innere Team“. Diese Innere Pluralität wird zu einer „Inneren Ratsversammlung“ in die Zusammenarbeit gebracht. Häufig werden die inneren Stimmen anhand eines sie beschreibenden markanten Satzes zusammen visualisiert.

  • Zeugen-Bewusstsein

Die meisten Ansätze dienten dazu, meine Bewertung der Gegebenheiten loszulassen und eine Gelassenheit und Offenheit für das Leben aufzubauen. Mich nicht mehr zu identifizieren mit meinem Problem im Außen und zu erkennen, dass die Lösung in mir bereits immer da war.

Ken Wilber et al. beschreiben in der Integralen Lebenspraxis den stillen und ruhigen Zeugen als das, was immer da ist, unwandelbar und unsterblich - das universelle Selbst, das immer richtig ist. Sie führen in eine Meditation, in der das innere Gewahrsein auf die Zeit vor 5 Minuten, fünf Stunden, fünf Jahren, 500 Jahren und 5000 Jahren im Fokus steht. Das gibt doch mal eine erfrischende Perspektive, in der ich mich selbst, meine Gedanken und Gefühle, nicht mehr ganz so furchtbar wichtig nehme.

  • Autopsychotherapie nach Kazimierz Dabrowski

Allein das Wort klingt wie Musik in meinen Ohren. Meine Begeisterung für Dabrowskis Theorie der positiven Desintegration ist bekannt. Auch wenn ich denke, dass unsere Herausforderungen, Krisen und Konflikte ein wunderbares Feld bieten, in dem wir unser persönliches Wachstum vorantreiben können - und ich das gern als Psychotherapie an mir selbst betrachte - so ist dem natürlich auch eine Grenze gesetzt, wenn ich z.B. das Gefühl habe, mich in bestimmten Situationen nicht von allein aus meinem negativen Gedankenkarussell befreien zu können. Daraus ergibt sich mein schließlich allerletzter, voranbringender Vorschlag zur Lösung:

  • Therapie
                                                                                                                                              
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