Was ist eigentlich Arts & Change-Coaching?

Arts & Change Coaching bedeutet kunstanaloges Coaching. Ich werde sehr oft gefragt, was das denn sein könnte. Es ist eigentlich ganz einfach. Das Wort „kunstanalog“ setzt sich aus „Kunst“ und „analog“ zusammen. Eine Kunstdefinition vermag ich hier aus nachvollziehbaren Gründen nicht zu geben, kurz und knackig liefert die Googlesuche „Kunst Definition“ drei Aspekte, die das Substantiv beschreiben - und die ich mich nicht scheue, hier anzugeben:

1. das schöpferische Gestalten und Schaffen von Werken (wie Malerei, Musik, Literatur), für das jmd. Begabung und ein bestimmtes Können braucht.
2. Werk(e) eines bestimmten Künstlers, einer Epoche (als Anschauungs- und Studienobjekte).
3. die besondere Fähigkeit und Geschicklichkeit, die man für etwas benötigt.

Aus dieser Kurzdefinition wird bereits ersichtlich, dass „Kunst“ sowohl einen Prozess der Werkschaffung, sozusagen eine Handlung beinhaltet, es braucht dazu den Werkschaffenden an sich, den Künstler, der wiederum gewisse Eigenschaften mitbringen sollte (vielleicht deutet sich hier auch eine Haltung an), sowie das entstehende/entstandene Werk.

Das Adjektiv „analog“ bedeutet laut Duden „ähnlich, vergleichbar, gleichartig, entsprechend“. Wikipedia fügt erklärend hinzu, eine Analogie zeige übereinstimmende, jedoch nicht verwandte Merkmale mit unabhängiger Entstehungsgeschichte. Es geht um funktionsgleiche Strukturen, aber ohne Verwandtschaftsbeziehungen. Kunstanalogie kann also heißen, dass etwas, das erst einmal nicht mit der Kunst verwandt ist, mit der Kunst „übereinstimmt“, wie die Kunst „funktioniert“. „Kunstanaloges Coaching“ kann daher bedeuten, dass man den Coachingprozess so gestaltet, wie ein Künstler sein Werk schafft. Beratung an sich wird als ein gemeinsam entstehendes Werk verstanden.

Soweit die klassischen Definitionen. Der nächste Einwand, den ich an dieser Stelle immer zu hören bekomme, ist ein Aber in verschiedenster Form: "Mit Kunst habe ich aber wirklich nichts am Hut" oder noch negativer: "Ich kann aber gar nicht malen" oder "Ich bin aber künstlerisch nicht begabt." Das ist nicht, worum es geht!

Ich habe als Arts & Change-Coach die Wahl, außer den herkömmlichen Coachingtools, die ich selbstverständlich auch beherrsche, meinen Gesprächspartnern nach der Auftrags- bzw. Anliegenklärung einen kreativen Erfahrungsraum als „alternative Welterfahrung“ zu eröffnen. Darin geht es entgegen der oben genannten Kunstdefinition, die ein gewisses „Können“ bei Werkschaffenden voraussetzt, jedoch um ein deutlich niedrigschwelliges Vorgehen nach dem Motto „low-skill-high-sensitivity“.

Sie werden maximal zu einer kreativen Handlung angeregt, die Sie ohne großes künstlerisches Wissen und Geschicklichkeit bewältigen können. Es wird gerade so wenig Können vorausgesetzt, dass sie in einer positiven Grundstimmung angegangen werden kann (low skill), ist jedoch so anspruchsvoll, dass sie ein Erfolgserlebnis mit einer angenehmen ästhetischen Erfahrung und ein Wohlgefühl auslösen kann (high sensitivity).

Dieser kreative Moment ist einzigartig und lässt sich nicht ohne weiteres vermitteln, erschließen und erklären. Das entstandene Werk steht demnach nicht - wie viele denken, denen ich es bislang versucht habe zu erklären - für das Ausgangsproblem oder strebt es in irgendeiner Form nachzubilden. Es geht nicht darum, das Problem zu stellen. Es entsteht etwas Neues, das Spiel- und Denkräume erweiternd aus der „Notenge“ und aus der Welt des Problems herausführt.

Die Frage, die sich stellt, lautet also: Welche innovativen Bedingungen gelten in diesem kreativen Erfahrungsraum? Um das herauszufinden, habe ich mit vielen Künstlern gesprochen. Und wie wir oben gesehen haben: Was für das künstlerische Schaffen gilt, gilt ebenso im Arts & Change-Coaching, das ja kunstanalog ist. Es ist ein Erfahrungsraum, der sich analog zu Ihrem Leben sehen lässt.

Das Ergebnis ist offen.

Die Schönheit liegt im Prozess.

Der Prozess entwi­ckelt sich im (experimentellen) Tun.

Ich improvisiere.

Der erste Schritt kann gar nicht danebengehen.

Ich probiere aus.

Ich weiß nicht.

Ich muss auch nicht wissen.

Ich stelle Fragen.

Ich bringe Neu­gier und Spielfreude mit.

Ich lasse mich mit allen Gefühlen und Gedanken intuitiv und assoziativ auf den jeweiligen Moment ein.

Ich nehme wahr.

Ich bewerte und interpretiere nicht.

Ich gewinne Erkenntnis.

Ich erlebe und folge dem entstehenden Flow.

Auf verschiedenen Ebenen entsteht Bewegung.

Ich gehe in Resonanz.

Ich lasse einen Dialog entstehen.

Menschen lieben Geschichten.

Ich höre zu.

Ich rechne nicht nur mit dem Zufall, sondern rufe Überraschungen und Spannung hervor.

Dazugehörige Facetten sind Flexibilität und risikobereiter Mut.

Ich gebe mir die Erlaubnis, etwas auf den Kopf stellen zu dürfen.

Aha, ein Problem!

Ich sehe es nicht nur als anregende Herausforderung, sondern dem Prozess auf na­türliche Weise zugehörig.

Ich begegne Scheitern mit Gelassenheit und Akzeptanz.

Das interessante im Prozess ist seine Veränderung.

Ich be­obachte.

Durch Distanz oder Zurücktreten entsteht Reflexion.

Ich lasse los.

Ich habe Zeit.

Pausen und Unterbrechungen beeinflussen das Ankommen oder Nicht-Ankom­men, das Fortdauern oder Beenden eines Prozesses.

Zeit und Raum können sich auflösen.

Es antwortet mir.

Die Emergenz von Ideen und Lösungen wird ermöglicht.

Knoten können platzen.

Etwas Neues wird hervorgebracht.

Der Prozess wirkt noch nach.

 

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